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Die Pein(lichkeit) des Fan-Daseins

Fan sein bedeutet ja was. Das war schon immer so. Meine Mutter war zum Beispiel Fan von Gus Backus. Das ging so weit, dass sie ihn heiraten wollte. Zum Glück war sie da noch ein Kind, sonst… – aber das ist ne andere Geschichte!

Fan sein gehört aber sowieso zur Kindheit wie nichts anderes. Zur Jugend noch mehr. Irgendein Musiker findet sich immer, dem man nachlaufen kann. Die meisten lassen sich auch gern anhimmeln. Warum auch nicht? Solang es nicht am Körpergeruch liegt, dass reihenweise Mädels wegen einem in Ohnmacht fallen. Sollen die Mädels doch ihre Stars haben. Schwierig wird’s aber, wenn der besagte Musiker nicht der typische Nullachtfuffzehn-Blondlock-Schönling ist. Da gibt’s ja noch ganz andere da draußen. Und in den meisten Fällen zieht das Fan-Dasein da keine Ohnmachtsanfälle, sondern ganze Lebensumkrempelungen nach sich. Man wird nicht mehr Fan, man gehört dazu! Aber irgendwie doch nicht. Denn die ganzen Subkulturen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Früher meinte man es ernst, wenn man von Anarchie sprach, wenn man beim Woodstock war, wenn man dem Tod nachlief, wenn man im Ghetto lebte. Es steckte was dahinter. Man hatte sich durch handfeste Gründe diese Meinung gebildet, sich einer Bewegung angeschlossen.

Heute ist das anders. Die Bewegungen wurden kinderzimmerfähig. Subkulturen mutierten zur Popkultur. Als Kind gehörste an der Schule nur dazu, wenn du auch die richtige Musik hörst. Normal ist ja uncool. Uncool ist erst recht uncool. Keine Ahnung, wie die Jugend das heute nennt. Jedenfalls ist es obligatorisch, einer Subkultur anzugehören. Die Auswahl ist groß. Da sind z.B. die Möchtegern-Ghetto-Boyz mit ihrem fetten zu 90% aus Beleidigungen bestehenden Wortschatz. Oder die Freizeit-Grufties, natürlich immer in schwarz gekleidet und wirr rumgrunzend oder aber schöngeistig der Vampirwelt huldigend. Dazu passen auch die Heulsusen, pardon – die Emos. Zwischen Kreischen und Weinen wird die Agonie des Lebens zelebriert.

Im besten Fall hält das ein paar Monate, bis die nächste Lebensumkrempelung ansteht. Im schlimmsten Fall hört’s nie auf. Bei solchen Fällen wird das Ende der Pubertät nicht dadurch eingeleutet, dass man sein Bling Bling ablegt, sich nicht mehr weiß schminkt oder die Klamotten farbenfroher werden. Da kann man nur hoffen, dass die Variante die Minderheit bleibt. Oder kann sich jemand einen Ghetto-Opa vorstellen, der Sido-Texte auswendig nachbrabbelt? Schaurige Idee…

I smell sex and candy

Marcy Playground

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