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Wo die Liebe hinfällt…

Mir ist heut mal nach Seelenstriptease. Naja, zumindest so etwa. Nix böses. Mich juckt’s nur so in den Fingern, meine Liebeshistorie mal zu virtuellem Papier zu bringen. Der liebe nette Kerl, dem ihr hier so mal beim Bloggen zuschaut, ist nämlich eigentlich alles andere als ein Weiberheld. Naja, und da ich mich nicht mit hunderten Verflossenen umgeben hab, muss ich auch keine verschlissene Tastatur fürchten. So ganz kurz wird’s aber trotzdem nicht – nur so zur Warnung!

Fangen wir erstmal an. Ganz früh – so im Kindergarten. Das war noch so meine wildeste Zeit. Wozu monogam sein, wenn man gleich zwei Mädels haben kann? Und die beiden mich sogar noch freiwillig geteilt haben? Wir wollten sogar später mal nach Indien auswandern, weil wir irgendwie aufgeschnappt hatten, dass man da ja auch zwei Frauen heiraten kann. Aber das war ja alles nur Kinderkram. Spätestens in der Grundschule hab ich Prioritäten gesetzt. Eine von beiden war von da an nur noch eine Freundin und mit der anderen bin ich “gegangen”. Ganze vier Jahre lang, wenn ich mich recht erinnere. Und auseinander gegangen ist das irgendwie nur, weil wir beide nach der Grundschule auf verschiedene Schulen gegangen sind. Tja, man lebt sich halt auseinander. So als Kind, das doch noch viel lieber mit Autos als mit Mädels spielt.

In der Realschulzeit begann dann das Namenstrio. Man sagt ja, aller guten Dinge sind drei – was sich für’s erste wohl wirklich zu bewahrheiten scheint. Na jedenfalls war ich damals in das erste von drei Mädels mit dem selben Namen verschossen. Sie war in meiner Klasse und hatte so wunderschöne lange Haare. Und das wo ich so unglaublich schüchtern war. Immerhin hab ich’s zu einem Liebesbrief gebracht. Und eigentlich waren wir auch zusammen – glaub ich – so ein paar Tage vielleicht. Wobei wir kaum miteinander gesprochen haben. Tja, so kann auch keine Beziehung funktionieren – erst recht nicht mit 11 Jahren.

Danach folgten nochmal Anhimmelungen dreier Mädels in meiner Klasse, die aber alle nix von mir wissen wollten. Und dann folgte Mädel Nummer zwei mit dem selben Namen. Ich saß oft neben ihr im Bus. Ich auf dem Weg zur Realschule, sie zur Sonderschule. Schon ne etwas komische Beziehung. Sie hatte auch einen ziemlich schlechten Ruf, aber mir muss damals irgendwie nach dem Verruchten etwas gewesen sein. Naja und gehalten hat’s immerhin auch ein paar Wochen. Aber irgendwie war’s auch nix, sich immer nur im Bus zu sehen. So ging’s dann also auch zu Ende.

Mittlerweile sind wir in der für die meisten Teenies wohl heißesten Phase angekommen – 14 Jahre alt – man hat die ersten ernsthaften Freundinnen und so. Da kann ich noch mithalten. Meine erste “ernsthafte” Freundin lernte ich in meiner Zeit als Trompeter in einer kleinen Dorfkapelle kennen. Fragt mich nicht, welches Instrument sie gespielt hat… Das “ernsthaft” mache ich mal daran fest, dass wir immerhin ein paar Monate zusammen waren, zusammen zur Kinderdisco gegangen sind und sogar Händchen gehalten haben. Ich glaub, damals war ich das erste Mal wirklich verknallt. Aber leider auch wie immer zu schüchtern. Ich glaub, das war auch der Grund, dass sie Schluss gemacht hatte – hey, ich mein, zu dem Anlass gab sie mir den aller ersten und einzigen Kuss, den es zwischen uns gab.

Hmm, tja, ich weiß nicht, ob mich das geprägt hat, oder einfach mehrere Dinge zusammen kamen. Aber das war erstmal für viele Jahre meine einzige Beziehung. Ich muss manchmal schon ein ziemlich trauriger schüchterner Kerl gewesen sein, aber ich und auch mein Freundeskreis hat’s nie wirklich mal in die Disco geschafft oder sonst irgendwie in die Nähe von Frauen. Und verknallt war ich auch lange Zeit nicht. Seltsamerweise nichtmal in meiner Zeit auf dem Wirtschaftsgymnasium. Zumindest kann ich mich da an nix erinnern. Meine Familie gilt väterlicherseits aber sowieso als Spätstarter – und das ist durch viele Fälle belegt. Muss ich mir also keine Sorgen machen.

Sowieso war das auch nicht das Ende. Für mich schüchternen Kerl kam das Internet wie gerufen. Mittlerweile 21 Jahre alt und zaghafte Versuche in Online-Love-Communities gemacht. Und da traf ich sie – die “aller-guten-Dinge-sind-drei”-Traumfrau mit dem selben Namen. Wie genau, kann ich garnicht mehr sagen. Aber es hatte uns schon irgendwie erwischt. Zwischen uns entstand eine ungekannte Nähe und Seelenverwandschaft. Normalerweise hätte ich mir damals – noch immer recht frisch meinen etwas spät gemachten Führerschein in der Tasche – nie zugetraut, 500 Kilometer allein zu fahren. Aber für meine (damals noch in der Nähe von Leipzig wohnenden) Leipzigerin hab ich nicht lang überlegen müssen. Ein langes Wochenende hatten wir miteinander, dann musste ich wieder los und sie kurze Zeit später als Au-Pair in die USA. Das war hart. Noch völlig unsicher über die Gefühle, die wir füreinander hatten und unüberwindbar getrennt. Wir kannten uns ja nichtmal wirklich, trotz langer Chatsitzungen und Telefonate. Wir waren beide in dem Bezug völlige Neulinge. Und irgendwie war das auch der Grund, auseinander zu gehen. Über den großen Teich getrennt, beide noch im Entdecken unserer Gefühlswelten…

Nun begann die doch reichlich seltsame und im Nachhinein nicht immer schöne Phase meines Lebens. Erster ziemlich unbedachter und mittlerweile bereuhter Schritt war, meine nächste wirkliche Beziehung (natürlich erneut im Internet kennengelernt – diesmal aber weitaus weniger Kilometer) direkt nach der Aussprache mit meiner Leipzigerin zu beginnen – und das nichtmal aus Liebe. Ich muss mit dieser Beziehung in der Zeit zwei Frauen ziemlich weh getan haben. Aber ich wusste es nicht besser. Ich sehnte mich nach Nähe und Geborgenheit. Und die bekam ich. Ich wurde geliebt und bildete mir ein, selbst auch zu lieben. Ein halbes Jahr ging das gut. Ich nahm auch viele Erfahrungen mit. Meine ersten intimen Erlebnisse, gemeinsamer Urlaub, die ganze Beziehungskiste. Trotzdem zog ich meine Konsequenzen. Ich hatte mich zu schnell in etwas hineingeschmissen, ohne wirklich zu wissen, was ich fühle. Leider war diese Erkenntnis nicht von Dauer. Mit meiner damaligen Freundin brach der Kontakt schnell ab, ebenso hatte sich die gebliebene Freundschaft zu meiner Leipzigerin auch reichlich abgekühlt. Kein Wunder, bei meiner Art, die ich an der Tag legte.

Eine Weile wurde es ruhig bei mir. Aber das sollte nicht lang halten. Mein Hunger nach Geborgenheit und Nähe war immernoch da und machte es mir schwer, aus Fehlern zu lernen. Also schlidderte ich in die nächste unbedachte Situation. Ich lernte ein Mädel – im Internet, wo sonst – kennen. Sie kam aus Kiel und wir vernarrten uns vom ersten Tag an ineinander. Wir waren die völligen Gegensätze, sie eine die Männerwelt durchstreifende Partyfrau, ich der schüchterne Spätstarter. Viel hatten wir nicht gemeinsam – aber es war irgendwas da, das uns zusammenbrachte. Wir dachten nicht lang drüber nach, was es war, alles ging viel zu schnell. Nach einem Monat zogen wir zusammen. Ich hatte nach meiner Ausbildung eine Arbeit in der Nähe gefunden – da war das der für uns einzig logische Schritt. Es dauerte nicht lang, und wir waren wie ein altes Ehepaar. Psychische Probleme beiderseits (bei ihr krankheitsbedingt leider besonders stark) taten ihr übriges. Wir stritten und wollten uns trennen nur um uns zusammenzuhalten. Es war eine schwere Zeit und trotzdem beschlossen wir den nächsten zu bereuhenden unbedachten Schritt: Heirat! Selbst in der Phase der Hochzeitvorbereitung waren die Streits nicht weniger. Aber je näher der Termin kam und je stärker der freudige Druck der Familien außen herum wurde, desto weniger wollten wir zurückziehen. Und so hatte ich nach knapp zwei Jahren Beziehung einen Ring am Finger. Ich kann nicht behaupten, dass wir unglücklich waren, aber unsere Beziehung zueinander hätte uns zu denken geben sollen. Wir unternahmen kaum etwas miteinander. Jeder lebte eigentlich ein anderes Leben. Was wir nur wirklich miteinander konnten, waren lange Gespräche führen – über alles reden – wie zwei beste Freunde. Uns dämmerte langsam etwas. Wirkliche Liebe war da nicht zwischen uns. Vielleicht nicht mehr, vielleicht hatten wir uns auch von Anfang an blenden lassen. Vor etwa einem Jahr und damit nach etwa einem Jahr Ehe dann die Entscheidung zur Scheidung.

Tja, da war erstmal was zu verdauen. Psychisch wie materiell. Ich erkannte, dass ich eigentlich überhaupt keine Lebenserfahrung hatte und mich nur durch Situationen gehangelt hab, in die ich mich mit Haut und Haaren hineingesteigert habe, ohne zu wissen, was ich tue. Ich war das erste Mal in meinem Leben ein wirklicher Single ohne Eltern. Ich kannte es ja nichtmal, allein zu wohnen. Ich hatte einiges nachzuholen. Extrem vernachlässigte Freundschaften mussten gekittet werden, der Hochzeitskredit abbezahlt, ich musste lernen, allein zu leben und eigene Entscheidungen zu treffen. Ich war nie aus einer bemutterten Welt herausgekommen. Selbstbewusstsein, eigene Entscheidungen – was ist das?

Tja, doch garnicht so seichter Tobak, wie ich grad merke. Aber irgendwie wollte das raus. Und ich bin ja nun auch fast am vorläufigen Happy End angekommen.

Das Kitten alter Freundschaften in den letzten Monaten entflammte ja auch die Chat-Leidenschaft zu meiner Leipzigerin neu. Und diesmal unter völlig anderen Vorzeichen und Möglichkeiten. Wir haben beide unsere Erfahrungen gemacht und ich habe mittlerweile auch wirklich einiges gelernt. Ich kann viel unbefangener mit meinem Leben umgehen. Nie hab ich mich freier und wohler gefühlt. Wir sind unverkrampft und genießen uns. So soll es sein – und es ist wunderschön!

Aus meiner Ehe, die nun nach langer Bürokratie Ende des Jahres wirklich endet, habe ich dennoch viel mitgenommen. Ich lernte viel über Menschlichkeit, unbedachte Entscheidungen und Freundschaft. Meine Ex-Frau in spe ist zu einer wirklich guten Freundin geworden. Vielleicht hätte es von Anfang an so sein sollen. Aber diese Was-wäre-wenn-Spielchen sind eh völliger Humbug. Ich will garnicht wissen, wo ich wäre, wenn mein Leben anders verlaufen wäre. Ich kann glücklich mit dem sein, was ich in meinem Leben mitgenommen hab und wohin es mich geführt hat. Und da, wo ich bin, bin ich glücklich wie nie – also kann das alles garnicht so falsch gewesen sein…

Kommentare

1

Eigentlich eine Schande, dass es hier noch keine Comments gibt.
Was soll man auch groß sagen? Ich selbst würde nie so etwas persönliches veröffentlichen, fand es aber sehr interessant zu lesen.

geschrieben von David
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2

Ja, ich hab damals auch lange überlegt, ob ich den Beitrag wirklich veröffentlichen soll. Irgendwie war es mir dann aber wichtig, ein Kapitel im Leben wirklich abzuschließen und es mit der Welt zu teilen, um dazu stehen zu können.

Ein paar Kommentare gab es damals allerdings schon, denn den Beitrag habe ich aus meinem damaligen Blog bei blogger.de mitgenommen. Allerdings mit komplett anderer Leserschaft.

geschrieben von beetFreeQ
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Björk

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