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Musenkuss

Ja, genau so einen könnte ich gut gebrauchen. Ich hab beim Durchstöbern meiner Festplatte eine uralte angefangene Kurzgeschichte gefunden. Die muss ich wohl vor locker 4-5 Jahren geschrieben, aber nie vollendet haben. Hmm, und es ist auch noch meine bisher einzige. Beim Lesen hab ich allerdings reichlich Lust bekommen, weiterzuschreiben. Nur leider fehlt mir noch so der eigentliche Inhalt. Einen Rahmen hab ich schon. Das muss wohl damals auch mein Problem gewesen sein. Ich weiß, keine so tolle Voraussetzung ;). Aber vielleicht hat ja jemand von euch eine Idee!

Wer den bisher fertigen Anfang lesen mag, liest den kompletten Beitrag! Aber Vorsicht – es wird ziemlich durchgeknallt…

Irgendetwas muss schiefgegangen sein. Tom schaute sich um. Wo bin ich hier, fragte er sich. In der Bank bin ich jedenfalls nicht mehr. Wenn ich mich bloß noch an etwas erinnern könnte, nachdem dieser dämliche Polizist die Tür reinkam und losballerte. Ein Stirnrunzeln. Hatte er mich nicht getroffen? Und wieso trage ich diese komische Plüschjacke? Ehe er weiter überlegen konnte, erregte eine dumpfe aber irgendwie sympathische, männliche Stimme die Aufmerksamkeit des Verstörten.

„Der Nächste bitte!“

Das Zimmer schien das innere einer Halbkugel zu sein. Die Wände waren mit unendlich verschlungenen, psychedelischen Farb-Mustern geschmückt. Eine einzelne Tür in Form einer überdimensionalen Birne ragte genau vor ihm aus einem unebenen grünen Boden, der subtil zu pulsieren schien. Die einzigen Möbelstücke waren ein grün und lila gemusterter, lebender Tisch mit interessiert in den Wandmustern vertieften Augen und der weich aussehende aber trotzdem steinharte Hocker, auf dem Tom saß.

„Der Nächste bitte!!“ Wieder diese Stimme, diesmal etwas energischer. Er stand auf. Der Tisch trottete gemächlich aus dem Weg, mit seinen Augen weiterhin den verschlungenen Linien des Wandschmucks folgend. Tom öffnete die Tür. Fast schon schwindelig von der Farbenpracht des Wartezimmers, empfand er das schlichte Hellgrau der nun folgenden Halle als wahre Erlösung.

Tom ging auf den schlichten ebenfalls grauen Schreibtisch am Ende des Raumes zu. Die bieder gekleidete, faltige Gestalt wäre fast gar nicht aufgefallen, wenn ihre blauen Haare nicht die ganze Zeit die Länge wechselten. Tom konnte nicht sagen, ob sie männlich oder weiblich war, ihr Gesicht wies keine markanten Züge auf, ließ aber den Schluss zu, dass die Gestalt sehr gelangweilt war.

„Setzen Sie sich!“ sagte sie mit dieser sympathischen Stimme. „Entschuldigen Sie die schreckliche Farbgebung des Materialisationszimmers und Ihr peinliches Plüschkostüm! Aber so müssen wir Neuankömmlinge begrüßen, seit unser neuer Talasledun sein Amt aufnahm. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise?“

„Ehrlichgesagt kann ich mich an nichts erinnern. Ich bin einfach in diesem Zimmer aufgewacht…“ Tom setzte sich und schaute sich um. Die Tür war verschwunden und hatte einem riesigen schwarz-weißen Gemälde voller geometrischer Formen Platz gemacht.

„Oh ja, ich vergaß, dass Sie ja keines natürlichen Todes verstarben.“ erwiderte die Gestalt.

„Verstarben? Wovon reden Sie? Ich sitze doch vor Ihnen!“ Trotz dieses Schocks blieb er gelassen. Er hatte in seiner Kleingauner-Karriere schon viel erlebt und war abgehärtet. In seinem Kopf entstand langsam ein Bild, dass die Gedächtnislücken füllen wollte.

„Sie werden sich daran gewöhnen müssen! Ihr Leben ist vorbei, vielleicht zu früh, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, Sie sind nun im Jenseits, den Ewigen Jagdgründen oder wie sie es nennen möchten.“ Das Gespräch entwickelte sich wie erwartet nach dem typischen Schema, wenn der Neuankömmling unvorbereitet in die Nachwelt befördert wurde. Nark hasste es. Immerhin wird er nicht hysterisch. Dachte sie.

Tom war sprachlos. Sein Gehirn hatte mittlerweile eine ziemlich stabile Erinnerungsbrücke gebaut, die ihm alles plausibel erscheinen ließ. Es war eine Falle, soviel war ihm schon vorher klar, genauer gesagt seit dem er die Polizeisirenen vernahm, direkt nachdem er seine Waffe gezogen hatte und zu seinen perfekt einstudierten Text ansetzen wollte. Eine halbe Drehung um die eigene Achse später war er auch schon an der Gedächtnislücke angekommen. Ein Polizist hatte die Bank betreten. Wie aus Reflex löste sich ein Schuss aus der täuschend echten Spielzeug-Magnum, auf die Tom so stolz war, und einen weiteren Knall später wurde es schwarz. Die Erinnerungsbrücke bestand nun aus der Annahme, dass der zweite Knall aus der auf ihn gerichteten Pistole stammte und ihn dummerweise auch noch getroffen hatte. Und diese komische Umgebung muss wohl der Eingang zum Totenreich sein. Es war aber nicht im Geringsten so warm, wie er sich die Hölle vorgestellt hatte. Aber in den Himmel konnte er es doch eigentlich nicht geschafft haben, oder? „Wo bin ich hier eigentlich? Im Himmel oder in der Hölle?“

„Weder noch“ Nark hätte geschmunzelt, wenn sie die Frage nicht schon millionenfach gehört hätte. „Ihr Menschen habt ein ziemlich komische Vorstellung vom Tod! Ich habe schon die verschiedensten Theorien gehört, aber kaum eine kommt dem wahren Tod nahe.

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Don't mess around with those silly toys.

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